WAS WIR FALSCH MACHEN

25 gravierende Managementsünden im operativen Geschäft und der Unternehmensführung


Führungskräfte sind oft überfordert wenn sie auf Krisen, Veränderungen und neue Herausforderungen selbstständig reagieren müssen. Hilflosigkeit und Unerfahrenheit ziehen falsche Entscheidungen nach sich und schlechtes Management bringt ein Unternehmen schnell in existenzielle Not.

Kein Unternehmen kann den Ergebnisverlust durch verzögertes Handeln oder gar Fehlentscheidungen auf der Führungsebene langfristig kompensieren. Daher ist es essenziell, dass sich Manager mit den häufigsten Fehlern in der Unternehmensführung auseinander setzen. Nur so können die großen Managementsünden vermieden werden, die Unternehmen über kurz oder lang in ihrem Bestehen bedrohen.

In unserer langjährigen Tätigkeit als Interim Manager konnten wir immer wieder die 25 gravierendsten Managementsünden eruieren.

RISIKOMANAGEMENT

Unternehmen sind ständig mit plötzlich auftretenden Problemen konfrontiert, das ist ein Wesensmerkmal des Marktes. Daher ist es überlebensnotwendig, solchen Ereignissen nicht unvorbereitet gegenüber zu stehen. Das leistet das Risikomanagement, deren Vorteile auf der Hand liegen:

  • Durch transparente Einschätzung von Risikosituationen werden diese kontrollierbar.
  • Es wird rechtzeitig Vorsorge zur Risikominimierung bzw. Risikoverschiebung getroffen.
  • Konzepte zur Absicherung und Finanzierung werden frühzeitig entwickelt.
  • Die Soll-Ist-Differenz wird verringert.
  • Durch einen elaborierten Risk-Report wird die Kreditwürdigkeit gesteigert.
  • Die Haftungsproblematik für den Vorstand und die Geschäftsführung wird entschärft.
  • Das Problembewusstsein und die Analysefähigkeit der Mitarbeiter werden geschult.

1. Sünde! Fehlendes Risikobewusstsein

Es ist unglaublich aber wahr, Risikomanagement ist für viele Unternehmen noch immer ein Fremdwort oder im besten Fall eine lästige Pflicht. Dabei gehört es zu den fundamentalen Aufgaben der Unternehmensführung und ist für einen Betrieb überlebensnotwendig. Wenn alle Unternehmen konsequentes Risikomanagement betreiben würden, wären die meisten Berater, Wirtschaftsanwälte und Insolvenzverwalter überflüssig.

Risikomanagement muss außerdem die Relevanz von Risiken richtig einschätzen. Sie wird unter Berücksichtigung von mittlerer Ertragsbelastung, Höchstschaden und Wirkungsdauer berechnet. Man unterscheidet:

  1. Unbedeutende Risiken, die weder den Jahresüberschuss noch den Unternehmenswert spürbar beeinflussen.
  2. Mittlere Risiken, die eine spürbare Beeinträchtigung des Jahresüberschusses bewirken.
  3. Bedeutende Risiken, die den Jahresüberschuss stark beeinflussen oder zu einer spürbaren Reduzierung des Unternehmenswerts führen.
  4. Schwerwiegende Risiken, die zu einem Jahresfehlbetrag führen und den Unternehmenswert erheblich reduzieren.
  5. Bestandgefährdende Risiken, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit den Fortbestand des Unternehmens gefährden.

MARKT und KUNDE

2. Sünde! Fehlende Innovation und unzureichende Frühaufklärung

Unternehmen sind Innovationen gegenüber immer noch zu wenig aufgeschlossen. Obwohl allgemein bekannt ist, dass Fortschritt nur durch Innovation möglich ist, erfolgen Investitionen in die Entwicklung von Neuerungen oft zu spät oder gar nicht. Rechtzeitig investieren ist daher Pflicht! Dafür ist eine funktionierende Frühaufklärung über Trends unabdingbar. Werden technologische Trends oder Aktivitäten der Wettbewerber zu spät erkannt, ist der Schaden bereits getan. Das Unternehmen läuft blind einem Rückstand hinterher und das Motto „Gesund wachsen“ kann nicht mehr erfüllt werden.

Innovationen können nicht kurzfristig auf Biegen und Brechen entwickelt werden. Einen technologischen Rückstand aufzuholen benötigt sehr viel mehr Mittel und das entwickelte Produkt kommt dann meist zu spät auf den Markt.

3. Sünde! Zu schnelle Expansion

Globalisierung ist die Herausforderung unserer Zeit! Für die Automotive-OEMs ist es z.B. unabdingbar geworden, dass ihre Lieferanten international aufgestellt sind. Viele Kunden verlangen außerdem auch im Ausland hundertprozentige Verfügbarkeit ihrer Zulieferer. Daher gründen viele Unternehmen Tochtergesellschaften.

Doch die globale Wirtschaft ist fragil, wettbewerbsintensiv und schnelllebig. Meist ist es vorteilhafter, sich zunächst an einem Zulieferer zu beteiligen, der bereits am Markt etabliert ist, anstatt ein eigenes Unternehmen zu gründen. Erst wenn Kunden langfristig lukrative Aufträge erteilen und man im Ausland gesund wachsen kann, ist es ratsam selbst operativ zu expandieren. Für eine Expansion sollten die Finanzierung und die zusätzlichen Kapazitäten rechtzeitig vorher geschaffen werden!

4. Sünde! Ungenügende Prüfung und Bewertung des Partners

Die Vorteile von Produktionsauslagerungen für lohnintensive Produkte liegen auf der Hand. Doch bevor man diesen Schritt wagt, muss er gut überlegt sein! Im Taumel der Hoffnung auf flexiblere Produktionsbedingungen und höhere Margen werden oft die sorgfältige Prüfung und Bewertung des Partners verabsäumt. Nicht selten wird viel zu spät untersucht, ob der zukünftige Partner wachsen und auch zusätzliche Leistungen übernehmen kann, wie z.B. Marketing in der Region, Entwicklungsleistungen oder Beschaffung.

5. Sünde! Fehlende Bewerbung der Produktionsauslagerungen bei den Kunden

Eigene Produktionsauslagerungen müssen den Kunden bzw. dem Markt geschickt vermittelt werden, um ihre Akzeptanz dafür zu erhöhen. Häufig sind Investitionen in eine Back-up-Fertigung nötig, die bei Ausfall des Partners oder Lieferschwierigkeiten einspringen kann.

6. Sünde! Ungenügende Risikobewertung der Länderspezifika und des Betreuungsaufwandes

Länderspezifika, politische Entwicklungen, Rohstoffverfügbarkeit, Währungsrisiken sowie der Betreuungsaufwand für einen Partner werden oft unterschätzt. Keinesfalls darf man blauäugig investieren, die Bedingung für Kooperationen und Partnerschaften ist ein gut funktionierendes Risikomanagement. Wer Risikoanalysen hintan schiebt, wird ein Desaster erleben!

7. Sünde! Wachstum um jeden Preis

„Unternehmen sind zum Wachstum verdammt – koste es, was es wolle!“ Dieser Aberglaube lässt viele vergessen, dass „Gesundschrumpfen“ und die Konzentration auf die sogenannten Kernkompetenzen oft die beste Lösung ist, um aus einer Krise neu zu erstarken. Allerdings sind auch hierbei die daraus resultierenden Kosten nicht zu unterschätzen. Die positive Wirkung der Konzentration bzw. Schrumpfung tritt häufig später ein als kalkuliert. Zentral ist hierbei gute Planung und zeitnahe „Öffentlichkeitsarbeit“, die einen Imageverlust verhindern und für Akzeptanz des „Gesundschrumpfens“ bei Kunden, Mitarbeitern und Shareholdern sorgen.

PLANUNG und STRATEGIE

8. Sünde!

Jahresplanungen werden leider oft nur von wenigen Beteiligten und unter Zeitdruck erstellt. Daher greifen sie meist zu kurz. Die Einschätzung von Markttrends und -tendenzen werden z.B. dem Vertrieb bzw. Einkauf überlassen, dessen Beurteilungen tendenziell an der Realität vorbeischießen.
Häufig verlieren sich Führungskräfte bei Jahresplanungen auch in Feinjustierungen diverser Problemstellungen, ohne die zukünftige Markt- und Unternehmensentwicklung global zu betrachten. So werden Chancen und Risiken nicht gesehen oder als belanglos beiseitegeschoben.

9. Sünde!

Die objektive Bewertung der Marktbearbeitung, das Für und Wider, wird häufig allein Beratern überlassen, die Konzepte aus der Schublade vorlegen. Diese Strategien besitzen oft nur Allgemeingültigkeit, sind aber nicht speziell für das jeweilige Unternehmen entwickelt. Ein Unternehmen profitiert von Consulting am meisten, wenn Berater aktiv mitarbeiten und eine spezifische Lösung entwickeln.

 

 

10. Sünde! Strategien, die auf ungenauer Planung basieren

Um eine Strategie für ein Unternehmen zu entwickeln, müssen ganz prinzipielle Fragen beantwortet werden und ein Zielkatalog erarbeitet werden:

  • In welche Richtung soll sich das Unternehmen weiterentwickeln?
  • Wo steht das Unternehmen heute und wo soll das Unternehmen in x Jahren stehen? (Hier ist Benchmarking ein wichtiges Hilfsmittel!)
  • Wie können wir mit welchen Mitteln die Ziele erreichen?

Die Antworten auf diese Fragen interessieren Eigentümer, Mitarbeiter, Banken und Partner brennend! Wer keine Antworten auf die wichtigsten Fragen und Herausforderungen der Zukunft entwickelt, keine eindeutigen Planungsgrundlagen schafft und nur schwammige Zielvorgaben definieren kann, bleibt über kurz oder lang auf der Strecke.

Eine Business-Simulation bei einem mehrtägigen Workshop kann solche Antworten liefern. Dort werden wahrscheinliche und extreme Zukunftsszenarien des Unternehmens entworfen und mit möglichen Kurskorrekturen realitätsnah durchgespielt.

MITARBEITER und ORGANISATION

11. Sünde! Mangelhafte Führungs- und Unternehmenskultur vertreibt Schlüssel kräfte

Leistungsträger arbeiten besonders gewissenhaft und deutlich mehr als der Durchschnitt – fehlende Anerkennung laugt aber auch diese aus. Wenn sich verdienstvolle Mitarbeiter nicht geschätzt fühlen, steigen etwa ihre Krankenstände und letztendlich werden die Schlüsselkräfte das Unternehmen verlassen.

12. Sünde!

In einigen Unternehmen herrscht auch heute noch ein autoritäres Führungsverständnis vor. Mit ihrem Machtgehabe, das Denunziation und Intrige miteinschließt, treiben manche Manager ihr eigenes Unternehmen in den Ruin. Langjährige Arbeitsverträge mit diesen sogenannten Führungskräften verhindern oft den rechtzeitigen Austausch.

(siehe die Kurzinformation „Unternehmen zwischen Diktatur und moderner Führung“)

13. Sünde!

Entscheidungsstau und fehlende bzw. unklare Aufgaben- und Kompetenzregelungen

führen zu hohem Mehrarbeitsaufwand. Übertrieben genaue Regelwerke führen zu unflexiblen, aufwändigen Verwaltungsstrukturen und zum „Beamtentum“.

14. Sünde!

Streit mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaften, bis hin zu Arbeitsprozessen, binden erhebliche Ressourcen, sind teuer und verzögern strategisch wichtige Entscheidungen.

15. Sünde! Fehlende Schulung

Durch die beschleunigte Digitalisierung der Arbeitswelt und die dadurch steigende Spezialisierung und Eigenverantwortung von Mitarbeitern und Führungskräften steigen die Ansprüche an die Kompetenzen des Managements. Da ist es zentral, rechtzeitig entsprechende Trainingsmöglichkeiten zu implementieren! Beispielhaft ist hier der Business-Simulator.

16. Sünde! Unklare Nachfolgeregelungen

Verschleppte und unklare Nachfolgeregelungen innerhalb des Aufsichtsrates oder der Geschäftsführung irritieren nicht nur Mitarbeiter und Betriebsräte, sondern insbesondere auch Kunden, Banken und Shareholder. Die Folge daraus: Kunden und Schlüsselpersonen suchen Alternativen, Banken zögern mit Krediten.

Eine eindeutige Entscheidung für die Nachfolge in Führungspositionen stärkt dagegen das Vertrauen in eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens!

 

 

MITTEL und FINANZIERUNG

17. Sünde! Adressenausfallrisiken

Liegt der Grund für einen Zahlungsausfall an finanziellen Schwierigkeiten oder gar einem Konkursverfahren des Kunden, ist man relativ machtlos. Juristisch vorzugehen ist sehr zeitaufwändig und oft ein Nullsummenspiel.

Nicht selten ist der Zahlungsverzug aber auf das Verschulden des eigenen Unternehmens zurückzuführen, z.B. durch beeinträchtigte Lieferfähigkeit oder durch Qualitätsmangel. Schlecht abgeschlossene Verträge ermöglichen dem Kunden außerdem jede „Kleinigkeit“ zu beanstanden und Zahlungen zu verzögern.

18. Sünde!

Kostenstrukturrisiken treten insbesondere bei langfristigen Verträgen und im Projektgeschäft auf. Wenn bei der Kalkulation und Preisbildung die Kostenentwicklungen und Währungsrisiken bzw. Zinsänderungsrisiken falsch eingeschätzt wurden, zieht das auch bei gutem Auftragsbestand negative Ergebnisse nach sich. Hier sind Nachverhandlungen oder die Rückgabe eines Auftrags überlebensnotwendig.

19. Sünde! Vertrauen auf Fördermittel

Wer seine Unternehmensstrategie auf Förderungen aufbaut, hat bereits verloren! Eine Unternehmensstrategie darf sich nicht auf Förderungen verlassen. Können etwa die Bedingungen der Förderungen aus verschiedenen Gründen nicht eingehalten werden, müssen sie zurückgezahlt werden. Verführerisch und gefährlich sind dabei politisch motivierte Förderzusagen, die oft früher als geplant widerrufen werden. Beispielhaft seien hier die zahlreichen Konkurse in der Windkraft- und Solarindustrie angeführt.

20. Sünde! Fehlende Überprüfung des Versicherungsschutzes

Haftpflichtschäden oder Produkthaftpflichtfälle können teuer werden und Unternehmen ruinieren. Daher ist es wichtig, treffsichere Versicherungen abzuschließen. Es empfiehlt sich allerdings sehr, die Versicherungsverträge auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu überprüfen.

 

 

MANAGEMENT-METHODEN

21. Sünde!

Vernachlässigung des Projektmanagements einschließlich des Projektcontrollings, das die Abwicklung von komplexen Aufträgen oder Investitionen bezüglich der Leistung, der Qualität und der Kosten kritisch begleitet. Projektmanagement kann als die Mutter aller Management-Methoden bezeichnet werden. Frühzeitig eingesetzt können 10% der veranschlagten Zeit und 10% der kalkulierten Projektkosten eingespart werden.

22. Sünde!

Verträge treffen häufig nicht den Punkt. Gutes Vertragsmanagement ermöglicht zumindest das eigene Claimen oder den Ausstieg aus den Verträgen. Mit gut angewandtem Claim-Management (Claims abzuwehren und selbst zu claimen) werden die Investitions- und Beschaffungskosten um ca. 2% reduzierbar.

23. Sünde!

Vernachlässigung des Cash-Managements, das im besten Fall bereits auf die Zahlungsbedingungen bei der Vertragsgestaltung Einfluss nimmt. Durch Beobachtung und Auslösung von Forderungen bzw. Verbindlichkeiten können außerdem Zinserfolge erzielt werden.

24. Sünde!

Vernachlässigung von Kommunikation und fehlende Personalentwicklung im Management ist die Radix vieler Probleme. Ohne Eliten mit Führungskompetenz, Fachwissen, Sozialkompetenz und unternehmerischem Denken und Handeln kann kein Unternehmen dauerhaft Erfolg haben.

25. Sünde!

Vernachlässigung eines langfristigen Programms zur Effizienzsteigerung, in das möglichst viele Mitarbeiter eingebunden sein müssen. Hohe Kostensenkungen und schnelle Effizienzsteigerungen werden durch Moderation möglichst vieler motivierter und unternehmerisch denkenden Mitarbeitern erzielt.

 

 

 


QUINTESSENS

Managementsünden treten im operativen Geschäft und der strategischen Unternehmensentwicklung häufig auf und stellen eine extreme Gefahr dar.

Hilflosigkeit bzw. Unerfahrenheit der Führungskräfte bringen Unternehmen trotz vorhandenem Markt schneller als geahnt in existenzielle Not.

Risikomanagement wird von vielen Betrieben immer noch nicht ernst genommen. Wenn moderne Management-Methoden konsequent genutzt würden, wären die meisten Berater, Wirtschaftsanwälte und Insolvenzverwalter überflüssig.

Globalisierung erfordert wirtschaftliche Expansion. Bevor aber Tochterunternehmen gegründet werden, müssen Länderspezifika, politische Entwicklungen, Rohstoffverfügbarkeit, Währungsrisiken und der Betreuungsaufwand genau untersucht werden. Für Expansionen müssen die Mittel und zusätzlichen Kapazitäten immer vorher geschaffen werden.

Ohne Führungskräfte mit u.a. Leadership-Qualitäten, Fachwissen, Sozialkompetenz und unternehmerischem Denken und ohne stetig vorangetriebene Effizienzsteigerung durch Moderation aller Beteiligten kann kein dauerhafter Erfolg erzielt werden.