SUPERSTAR

Wer glaubt, an der Spitze seiner beruflichen Karriere zu stehen oder diese beinahe erreicht zu haben, der kann, durch wohl dosierte Lobhudelei der anderen, schnell sich selbst und seine Bedeutung für das Unternehmen und andere Menschen zu ernst nehmen und das zum Anlass nehmen, seine Eitelkeit noch weiter auszubauen.

Der Erfolg und der damit verbundene Ruhm verlangen nach mehr; da wird das vorhandene Umfeld schnell zu eng. Der Wunsch oder das Bestreben nach Höherem ist menschlich, normal und nachvollziehbar. Wer möchte nicht ganz oben stehen, von der Sonne des Erfolgs beschienen?

Wenn allerdings Unternehmen durch egoistisches und arrogantes Verhalten des Vorstandes Schaden nehmen, und sei es „nur“ ein Imageverlust, ist das nicht zu tolerieren. Gerade ein Imageverlust zieht immense Kosten für ein Unternehmen nach sich. Ist das öffentliche Vertrauen verspielt, wird die situationsgerechte Positionierung eines Unternehmens nicht nur schwierig, sondern vor allem kostspielig.

Nicht zu unterschätzen ist auch das hohe persönliche Risiko, bei einem überzogenen Höhenflug recht tief zu fallen. Es erwischt viele Erfolgreiche, denen dann Maß, Ziel und Moral verloren gehen.

 

Warum nach dem Gipfel der schwierigste Teilabschnitt wartet

Nach einem langen und schwierigen Aufstieg ist scheinbar der Gipfel erreicht, doch die wahre Gratwanderung beginnt erst jetzt.

Die Vorstände haben hart um Erfolge für das Unternehmen und für sich gekämpft, waren dann lange erfolgsverwöhnt und scheinbar unbesiegbar; dennoch bleibt der Stachel der Unzufriedenheit, stets auf der Suche nach noch mehr gesellschaftlicher Anerkennung und Einfluss.

Die Angst, etwas zu versäumen, ist oft größer als die Vernunft, die einem deutlich rät, lieber auf dem Boden der Tatsachen und somit näher an der Realität zu bleiben.

In der Fülle des Erfolges, in der Blüte des Berufslebens taucht sie gerne auf: die Midlife-Crisis. Auch Top-Manager bleiben von ihr nicht verschont.

Unter dem Deckmantel der Mehrarbeit lassen sich Privates und Berufliches herrlich einfach miteinander verbinden. Die Verhältnismäßigkeit ist ohnehin schon längst verloren gegangen auf dem Weg nach oben.

 

Fake it till you make it?

Schon werden Dinner in illustren Kreisen, garniert mit noch wichtigeren Politikern, Opernbälle, Filmfestspiele, Industrieclubs und vieles mehr und neue und interessante Betätigungsfelder. Hier trifft man die „Stars“ der Wirtschaft und Politik. Wer sich nicht längst dazugehörig fühlt, der will dazu gehören.

Die Österreicher haben ein nettes Wort für Wichtigtuer: Adabei. Ein „Auch dabei“ ist jemand, der überall dabei sein will, sich überall wichtig fühlt.

Um „auch dabei“ sein zu können, empfiehlt es sich, an Veranstaltungen teilzunehmen. Um die immensen Kosten für die Teilnahme an solchen Veranstaltungen zu rechtfertigen, wird die unsinnige Selbstbefriedigung intern als Marketinginstrument und Beziehungsmanagement verkauft.

Beifall heischend werden Reden geschwungen, man wird schnell zum Vortragenden, der sich selbst am liebsten zuhört, während man Ahnungslosen, rhetorisch ausgefeilt, versteht sich, Unwichtiges wichtigtuerisch mitteilt.

Es ist ein immerwährender Tanz zwischen Minderwertigkeitskomplexen und Größenwahn.

Trotzdem: Die Haltung wird lässiger, der Gang geschmeidiger, die Kleidung modischer.

„Ich spiele in der Oberliga und kenne einen, der den US-Präsidenten…“ Nach mir kommt lange nichts! Und vor mir? Entschuldigung, ich gehöre zur High Society! Phrasen dreschend wird „globalisiert“, verbal das Ausland mit Produkten und Niederlassungen „erobert“. Fazit: Ich bewege die Welt!

 

High Society, alles, was Rang und Namen hat

Die Farbe der Kreditkarten, die First Class-Reservierung für Flug und Hotel, der Ausruf des eigenen Namens, die VIP-Lounge am Flughafen sind Selbstverständlichkeiten in der Welt, zu der man sich nun zugehörig fühlt – und doch vonnöten zur Befriedigung eines Egos, das Zuspruch braucht und Bestätigung. Treiber der überdimensional teuren Events sind häufig die angestellten Vorstände mit Realitätsverlust. Auch hier geht es um die Befriedigung des eigenen Egos und selten um das Unternehmen.

Endlich ist man wieder als Redner gefordert, kann sich den Interviews der Medien stellen und sich auf ein Foto, ach, Porträt, in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift XY freuen.

Noch ganz auf Wolke sieben schwebend, ist es ein Leichtes, am nächsten Tag Gutes zu tun. Voller Leichtigkeit überreicht man gerne Schecks an Künstler, Wohltätigkeitsvereine und Stiftungen. Selbstverständlich erntet man Beifall. Alles auf Kosten des Unternehmens.

Manche Unternehmen wenden jährlich zusätzlich mehrere hunderttausend Euro für jene eitlen Vorstände mit derartigen Ambitionen auf.

Diese selbsternannten Macher interessieren sich nur noch für facts and figures – und ganz intensiv für sich selbst. Fragen des operativen Geschäftes langweilen und interessieren nicht.

Wieso auch? Den eigentlichen Job schmeißen ja die fleißigen Kollegen und Mitarbeiter.

Beflissene Assistenten lösen alle Probleme und sind ja so geschmeichelt, für einen allseits bekannten und auch noch beliebten Superstar arbeiten zu dürfen.

Im Kosmos der Wichtigen, des Geldadels, der Politiker, der Eliten unserer Gesellschaft spiele ich nun mit! Ist das nicht toll? Ich habe es geschafft! Stehe sogar im „WHO IS WHO“. Ja, stolz darf man sein!

Narziss lässt grüßen. Arroganz führt zu Schwerfälligkeit bei gleichzeitig verändertem Fokus auf sich selbst. Arroganz distanziert von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Arroganz hat mit Problemlösung nicht zu tun. Dies ist mit Top-Management nicht zu vereinbaren.

 

Es gibt kein richtiges Leben im falschen

Zu unzähligen Weinproben geladen, werden selbst aus angestammten Biertrinkern plötzlich Wein-Experten. Trunken und glückselig fasst man das Erreichte zusammen und stellt fest: Es gibt noch mehr. Das Spiel um den nächsten Level gesellschaftlicher Anerkennung und Adabei beginnt erneut.

Angetrieben durch stets wachsende eigene Ansprüche (oder auch durch die Erwartungen des privaten Umfeldes), stürzt man sich mit viel Energie, trotz geahnter Risiken und Gefahren, in die Realisierung der Wünsche.

Es fehlt an allem, insbesondere an dem, was die anderen mehr sind oder mehr haben. Ziele können sein: eine noch höhere Funktion (vielleicht in Verbänden?), ein Reitstall, ein Schiff in Monte Carlo, diverse Luxuskarossen – eben ein angeblich besseres Leben. Der aktuelle Status reicht niemals aus.

Spätestens jetzt wird’s besonders gefährlich! Die Verlockungen lauern überall, Erfolg macht erotisch, Betrug und Korruption sind nicht weit; die  Medien berichten fast täglich darüber.

 

Zurück zu den Wurzeln: warum scheinbar alte Tugenden nie an Bedeutung verlieren werden

Verwandelt die Sucht nach Anerkennung, Macht und Wohlstand  nur einen naiven oder auch gestandene Menschen in einen eitlen Pfau? Die Wahrheit ist: Weder der eine noch der andere bleiben davon verschont.

Der Fall ist tief, der Aufschlag hart. Karriere, Familie, Freunde und die doch so tolle Gesellschaft sind weg, wichtige Personen einfach nicht mehr ansprechbar. Die Existenz ist massiv bedroht oder geht vor die Hunde! Ungeahnt wird man zum Paradebeispiel – unserer jungen Eliten.

Die Tugenden, welche wesentlich zur Karriereentwicklung beitragen, wie z.B. Disziplin, Verantwortungsbewusstsein, Prinzipientreue und Objektivität, sind verkümmert oder vergessen.

Anerkennung, Macht und soziale Sicherheit sind durchaus berechtigte Ansprüche einer Führungspersönlichkeit, diese müssen aber unabdingbar im Einklang mit den Erfordernissen und auch den Zielen des Unternehmens stehen.

 

Mit alten Tugenden neu starten

Wenn sich jedoch rechtzeitig, vor dem tiefen Fall, die Erkenntnis einstellt, dass man sich auf dem falschen Weg befindet, Demut und Dankbarkeit für all die Möglichkeiten und das Erreichte sich einstellen, wenn man eben nicht den Kopf in den Sand steckt, sich auf seine realen Stärken besinnt und seine Fähigkeiten und seine Motivation wieder voll fürs Unternehmen und seine Mannschaft einsetzen will, dann beginnt ein neuer Weg – befreit von Oberflächlichkeit und Arroganz.

Trotz dieser Erleichterung und Freiheit, wieder man selbst sein zu können, plagen Vorwürfe und schlechtes Gewissen. Über allem steht die Frage: „Schaffe ich es, im Unternehmen wieder anzukommen?“

 

Die persönliche Anspannung und Belastung sind enorm.

Hat das Unternehmen die persönlichen Eskapaden einer Führungskraft ohne Schaden an sich vorüberziehen sehen, stehen die Chancen für einen Neuanfang im eigenen Unternehmen gut.

Oft jedoch ist eine enge Begleitung des emotionalen Wiedereinstiegs auf verbindliche Art zielführend. Selbstzweifel und Ängste gehören besprochen. Nur so ist persönliches Wachstum möglich.

Die Moderatoren und Coaches der KIRCHHOFF KOMPETENZ haben in Unternehmen häufig mit derartigen Problemstellungen und emotionalen Wiedereingliederungsversuchen zu tun. Wir haben bereits einigen im Lichte der Öffentlichkeit stehenden Personen und somit auch dem dahinter stehenden Unternehmen helfen können. Einige unserer Experten haben die oben skizzierten Erfahrungen schmerzvoll selbst erlebt – auch deshalb leiten uns und unsere Arbeit ethische Grundsätze:

WIR SIND LOYAL, OBJEKTIV, DISKRET, UNABHÄNGIG UND ZUVERLÄSSIG

Wenn Sie es wünschen, stehe ich Ihnen oder Ihren Vorständen natürlich zu persönlichen Gesprächen und auch für ein Coaching gerne zur Verfügung.